Liebe Leser,
als am Montag mit plus 2,6 Prozent die erste Schätzung für die Inflationsrate vom Dezember kam, verbarg sich dahinter wieder mal ein Phänomen: während die Preise für Waren nur um 1,1 Prozent zulegten, stiegen die für Dienstleistungen um 4,1 Prozent, also fast vier Mal so schnell. Der Effekt ist nicht neu, offenbar werden vom Friseur bis zum Gastwirt die Preisschildchen besonders oft nach oben korrigiert.
Aber dahinter verbirgt sich noch ein anderes Phänomen. Selten klafften die einzelnen Preise im Index so weit auseinander wie zur Zeit. Hier ein Beispiel: während sich die Versicherungen für private Verkehrsmittel, also das Auto oder Fahrrad, seit Ende 2019 um die Hälfte verteuert haben, sanken sie für Versicherungsleistungen rund um die Wohnung, also etwa die Hausratsversicherung, gar um neun Prozent.
Diese weiten Diskrepanzen gibt es auch bei Waren. Zum Beispiel stiegen die Preise für Babyausstattungen im letzten halben Jahrzehnt mit zwei Prozent nur marginal. Da lassen wohl die sinkenden Geburtenzahlen grüßen. Hingegen wurde Kuhmilch nach jahrzehntelanger Stagnation im gleichen Zeitraum um rund 60 Prozent teurer.
(Quelle: agrarheute, https://www.agrarheute.com/markt/milch/milchpreise-steigen-molkereien-zahlen-3-cent-mehr-630873 )
Und das mit den hohen Preisen soll aus Expertensicht auch 2025 so bleiben. „Die Molkereien suchen Milch, denn die Menge reicht nicht aus – auch nicht im Biobereich, wo der Absatz steigt. Wie Bioland berichtet, sei freie Biomilch kaum verfügbar. Aber Landwirte steigern ihre Produktion nicht, trotz hoher Preise. Anfang Dezember nahm die Milchanlieferung insgesamt zwar wieder zu, blieb aber laut der Butter- und Käsebörse hinter den Erwartungen zurück. Auch das Milchfett ist gering, wenngleich man im Süden bereits von etwas besseren Fettgehalten spricht“, so berichtet „agrarheute“.
Kleinere Milchbetriebe geben aus Rentabilitätsgründen und Arbeitsbelastung seit vielen Jahren auf. Und größere wollen offenbar nicht gleich wegen der höheren Preise kräftig investieren. Damit haben auch einige in der Vergangenheit – siehe wilde Schwankungen – schlechte Erfahrungen gemacht.
Themenwechsel. Heute mal wieder ein Griff in die Kiste der globalen Datenbanken, in diesem Fall von der Weltgesundheitsorganisation der UN, der WHO. Die weist für ganz viele Länder die Ärztedichte aus, also wie viele Mediziner je 10.000 Einwohnern praktizieren. Ich habe dem einen Aspekt hinzuzufügen versucht: die Veränderung dieser Kennzahl über die letzten zwei Jahrzehnte, um einen Eindruck zu gewinnen, wie es in den einzelnen Staaten mit der Gesundheitsversorgung vorangegangen ist. Wobei natürlich nicht garantiert ist, dass mit immer mehr Medizinern auch alles mit der Gesundheit viel besser wird. Aber helfen kann es schon. Die folgende Tabelle reiht die Länderauswahl nach der Veränderung in der gelb unterlegten Spalte ganz rechts.
Nun überraschen Spitzenreiter wie Schweden, Norwegen, Dänemark oder auch Saudi-Arabien nicht übermäßig. Bisschen verblüffender ist schon, warum Belgien nun derart weit vorne steht, was die Veränderung, aber auch den absoluten Wert anbetrifft. Immerhin kommen dort auf 10.000 Belgier fast 64 Ärzte, also zum Beispiel 40 Prozent mehr als in Deutschland oder relativ zweieinhalb mal so viele wie trotz Aufholjagd in China. Auch Portugal hätte man nicht zwangsläufig so weit vorne vermutet. Ganz weit vorn auch Österreich mit immerhin 55 Kittelträgern pro 10.000 Ösis, also 10 mehr als bei uns.
Am unteren Ende der Tabelle habe ich Ihnen als Beispiel für Afrika mal das dem einen oder anderen bekannte Namibia eingefügt. Auch dort hat es eine Verbesserung gegeben, aber mir 5,4 Medizinern ist die Dichte noch alles andere als berauschend, nur ein Neuntel der deutschen Verhältnisse. Am Ende dann noch zwei Überraschungen: im Gegensatz zu vielen Erhöhungen der Ärztedichte ist diese Kennzahl in unserem großen Nachbarland Frankreich über die letzten zwei Jahrzehnte sogar leicht zurückgegangen. Und beim Schlusslicht Russland erstaunt das Ausmaß der Verschlechterung der medizinischen Versorgung. Stand das Land vor zwei Jahrzehnten noch an der Spitze und fast doppelt so gut da wie die USA, ist es seither deutlich bergab gegangen. Nun sind das alles bisher relative Zahlenangaben. Absolut liegt natürlich China mit 3,6 Millionen Ärzten ganz weit vorne. Es folgen mit einem Drittel davon oder gut 1,2 Millionen die USA und einer runden Million Indien.