Liebe Leser,
vielleicht nerve ich Leser mit gutem Gedächtnis ein wenig mit meinen ständigen Hinweisen, dass die derzeitige deutsche Wachstumsschwäche nicht allein an aktuellen Einflüssen wie Ampelregierung, Ukraine oder Trump gelegen haben kann. Denn Sie hält nach manchen Zahlen seit 2018, nach anderen gar schon seit 2007 an. Ich habe Ihnen als Beleg für die zweite Variante mal das Volumen der Auftragseingänge der heimischen Industrie herausgesucht. Heißt: da sind Preissteigerungen nicht mit drin. Und Sie sehen: dass heutige Niveau wurde erstmals 2007 erreicht. Seither gab es dann die sattsam bekannten – weil miterlebten – Schwankungen wie Finanzkrise, Corona und Ukraine/Energie.
18 Jahre keine signifikante Verbesserung mehr, das kann ja dann unmöglich an einzelnen Fehlentscheidungen, dem Wirtschaftsminister oder einer miesen Stimmung gelegen haben. Das Problem muss tiefer stecken. Bremsfaktoren sind von mir und anderen oft und vielfältig beschrieben worden. Aber mir scheint generell zu gelten: hierzulande haben sich zu viele zu gemütlich eingerichtet. Alle Unstimmigkeiten im Wirtschafts- und gesellschaftlichen Leben werden auf die lange Bank geschoben, erkennbare Dauerprobleme vertagt. Währenddessen wiehert der Amtsschimmel aus Brüssel und Berlin. Schauen Sie sich nur größere Projekte an, wie lange die dauern und was da bis zum letzten Vögelchen oder Salamander berücksichtigt werden muss. Alle denken offenbar immer, dass das volkswirtschaftlich nichts kostet, ist aber so.
Themenwechsel. Ein anderes Lieblingsthema von mir sind die aus meiner Sicht veränderten Verhältnisse im militärischen Bereich. Während Generäle hinter ihren westlichen Schreibtischen noch Panzer und vorstürmende Infanteristen vor Augen haben, tobt vor ihrer Nase in der Ukraine ein stark veränderter Krieg. Bei dem natürlich Drohnen keine singuläre Waffe sind, aber eine immer größere Bedeutung erlangen. Allein die Ukraine stellte letztes Jahr von ihnen 2,2 Millionen zur Aufklärung, aber auch zum Angriff her.
Bisher ein Problem bei ihren Einsätzen: Störungen und Unfälle legen über die Hälfte der Drohnen lahm. Daher werden jetzt zunehmend Glasfaserdrohnen eingesetzt. Die brauchen kein Funksignal und sind daher schwerer zu stören und zu stoppen. Laut eines Berichts des Londoner Wirtschaftsmagazins ECONOMIST will eine einzige Fabrik in Kiew die Produktion dieser neuen Drohnen von 600 pro Monat bis zum Sommerende auf 10.000 Stück hochgefahren. Und 3 D Tech ist nur eines von 11 ukrainischen Unternehmen im Glasfaser-Drohnengeschäft.
(Quelle: ECONOMIST, 5.5.25, https://www.economist.com/europe/2025/05/05/new-drones-are-sneaking-past-jammers-on-ukraines-front-lines )
Im Gegensatz zu herkömmlichen Funk-Modellen werden Glasfaserdrohnen über einen ultradünnen, angelschnurähnlichen Faden gesteuert, der an die drahtgelenkten Raketensysteme erinnert, die erstmals 1945 eingesetzt wurden. Diese Geräte sind nicht nur schwer abzuschießen, sondern das Glasfaserkabel sorgt auch für ein kristallklares Bild für den Piloten. „Das macht den Unterschied zwischen einem unscharfen Fernsehbild aus den 1970-er Jahren und HD Qualität aus“, erklärt Yuriy Ganusyak, dessen Unternehmen Drohnenhersteller mit Batterien beliefert. Die ersten Drohnen dieser Art kamen bei den russischen Streitkräften vor einem Jahr an die Front. Die Ukraine folgte einige Monate später, holt aber inzwischen stark auf.
Beide Seiten liefern sich ein Wettrennen um Glasfaserkabel. Anfang April bombardierte die Ukraine eine Fabrik im russischen Saransk, die Glasfaserkabel herstellt. Bislang wurden in der Ukraine keine geeigneten Glasfaserkabel produziert. Oleksiy Zhulinskiy, der technische Leiter von 3D Tech, erklärt, dass die Chinesen den Glasfasermarkt dominieren und russische und ukrainische Käufer in chinesischen Fabriken um die Bestellungen wetteifern. Und schon werden Konzepte zur Abwehr von Glasfaserdrohnen getestet. So experimentiert 3D Tech mit einer Drohne mit abgesägter Schrotflinte zum Angriff auf andere Drohnen.
Ohnehin sind Glasfaser-Drohnen nur eine Notlösung, die entwickelt wurde, um Störsender zu umgehen. Im ukrainischen Wettrüsten ist der heilige Gral eine Laserwaffe, die die Elektronik jeder ankommenden Drohne, Rakete, jedes Kampfflugzeugs oder Hubschraubers blenden oder zerstören kann. Auf einer Technologiemesse am 13. April demonstrierte Vadym Sukharevsky, der Chef der ukrainischen Streitkräfte für unbemannte Systeme, wie die Ukraine ihr eigenes Tryzub-Lasersystem testet, um genau dies zu erreichen.
Ich bin mir nicht sicher, ob die deutschen Generäle das alles rechtzeitig in ihre Überlegungen einpassen, bevor sie die große 500 Milliarden Euro-Schatztruhe leeren.