Liebe Leser,
die folgende Grafik zeigt bei den Preisen für Wohnhäuser mindestens Viererlei. 1. Da ist zunächst mal der stolze Aufwärtstrend aus den unseligen Zeiten nach der Finanzkrise 2010 bis zu den Höhen 2020. Im Zuge dessen waren bei Bestandsimmobilien (rote Linie) immerhin 103 Prozent – Wertzuwachs sagen die Besitzer und Verteuerung die potentiellen Käufer – drin. 2. Lange Zeit liefen dabei die Preise für neu zu bauende (braune Linie) und der bestehenden Objekte parallel. Erst so ab 2019 begannen die Vorhandenen preislich mehr Schubkraft zu entwickeln. Offenbar gab es da eine Übernachfrage, die von den Neubauten nicht gedeckt werden konnte. Aber auch die Preise auf den Baustellen schossen damals im Zuge der allgemeinen Inflation überproportional um gut 18 Prozent nach oben (blaue Markierung).
3. Danach kam es ab dem 3. Quartal 2022 als Spätfolge der satten Preissteigerungen und vom Zinsanstieg begleitet zu einer Baisse. Bei Bestandimmobilien sackten die Preise im deutschen Schnitt um rund 15 Prozent ab. Dabei muss man berücksichtigen, dass darin auch jedes Häuslein in Kleinkleckersdorf berücksichtigt ist, in vorher stark gepuschten Metropolen konnte der Rückgang auch schon mal stärker sein. Und das ist nicht nur so gefühlt, denn zum Beispiel in Hamburg fielen bei den echten Transaktionen die Preise gegenüber den All-time-Highs je nach Objektart um 17,5 Prozent bei Einfamilienhäusern bis zu gut 34 Prozent bei Mehrfamilienhäusern, allerdings auch von zuvor bis zu vervierfachten Preisen.
4. Zurück zum Deutschlandtrend und last but not least: seit dem Tiefpunkt im 1. Quartal vorigen Jahres scheint sich der Markt preislich wieder stabilisiert zu haben. Bei Wohnimmobilien ist das verständlich, denn es wurden immer weniger gebaut und der Bedarf bleibt hoch. Mit einem erneuten Preisrückgang wäre wohl nur in einer schärferen Rezession zu rechnen. Das gilt meiner Meinung nach allerdings nur für Wohnimmobilien. Bei Büros und Einzelhandelsimmobilien indes bleibt die Lage unübersichtlich, weil da neben den Aspekten Konjunktur und Zinsen auch strukturelle Fragen wie Homeoffice und Digitalisierung im Handel hereinspielen.
Themenwechsel. Judith Niehues und Maximilian Stockhausen verblüffen mit einer Zahl: ab 5.780 Euro jeden Monat neu auf dem Konto gilt ein Single hierzulande ihrer Ansicht nach als Reicher, jedenfalls was sein Einkommen anbetrifft. Bei einem Pärchen ohne Kinder müssen die zusammen 8.670 Euro monatlich frisch in die Familienkasse bekommen, um zu diesem erlauchten Kreis zu gehören. Basis ist der sogenannte Median der Einnahmen, bei dem genau 50 Prozent der Einkommensempfänger darunter und die andere Hälfte darüber liegen. Als Mittelschicht definieren die beiden Experten vom Wirtschaftsforschungsinstitut IW 80 bis 150 Prozent dieses Betrages von für eine vierköpfige Familie zum Beispiel 3.880 Euro.
(Quelle: IW-Pressemeldung vom 25. März 2025, https://www.iwkoeln.de/presse/pressemitteilungen/judith-niehues-maximilian-stockhausen-ab-diesem-einkommen-gilt-man-als-reich.html )
Wer mehr als 250 Prozent des Medians im Monat zur Verfügung hat, zählt nach IW-Einschätzung zur Gruppe der Einkommensreichen. Für Singles sind das die eingangs angeführten 5.780 Euro. In den verschiedenen familiären Abgrenzungen addieren sich diese Gutverdiener insgesamt zu nur vier Prozent der Bevölkerung. Nach Experteneinschätzung deckt sich dieser eher überschaubar kleine Anteil „nicht mit der Wahrnehmung der Menschen in Deutschland. Frühere Befragungen zeigen, dass der geschätzte Anteil einkommensreicher Menschen eher bei 25 Prozent angenommen wird.“ Und Studienautorin Niehues ergänzt: „Reich sind in der eigenen Wahrnehmung zumeist die anderen, dass man als Paar ohne Kinder mit einem gemeinsamen Einkommen von über 8.670 Euro zu den einkommensreichsten vier Prozent der Bevölkerung zählt, überrascht viele.“
Womöglich rührt es aus dieser Diskrepanz zwischen 25 und vier Prozent her, dass die linken Volksbeglücker immer wieder mit ihrer „These“, die Reichen sollten gefälligst alle Wohltaten für die Zukurzgekommenen blechen, Gehör finden. Denn je weniger das in Wirklichkeit sind, desto eher wird klar, dass dies nach der Mathematik und Logik kaum gehen kann. Es sei denn, man schraubt deren Abgaben so hoch, dass sie entweder die Lust am Verdienen verlieren oder außer Landes gehen. Mit beiden Verhaltensweisen stirbt dann das Modell zügig ab.