Liebe Leser,
gerade sind die vorher nur in einem Schnellverfahren geschätzten Werte für das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) veröffentlicht worden und dazu die ganzen Detailwerte. Der richtige Zeitpunkt, Ihnen noch mal den größten Hemmschuh der heimischen Konjunktur zu zeigen: die Deutschen sparen halt einfach emsig. Lag die Sparquote, also der Prozentanteil der von den verfügbaren Einkommen der Privatleute auf die hohe Kante gelegt wird ,in der Corona-Pandemie turmhoch über dem langjährigen Durchschnitt von 11 Prozent, war er auch 2024 wieder überdurchschnittlich, wenngleich viel gemäßigter. Die Grafik zeigt in der dünnen, braunen Linie die einzelnen Werte, wie sie nun mal anfielen, in der dicken, roten Linie indes die saisonbereinigten Daten, die aussagekräftiger sind.
(Quelle: FRED, https://fred.stlouisfed.org/series/PSAVERT und: https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/02/PD25_069_811.html )
Während die Sparwut in Coronazeiten sehr plausibel war, da unsichere Zukunft/Geschäfte und Gastro zeitweise zu-, kann man die heutige Sparlust nur mit Verunsicherung und Konjunkturangst erklären. 289 Milliarden Euro gaben die Konsumenten von ihren Einkommen letztes Jahr nicht aus. Da sind zum Beispiel die Amerikaner ganz anders gebaut, sie sparten 2024 nur 4,7 Prozent ihrer Einkommen. Wären die Deutschen ähnlich sparunlustig wie ihre US-Konsumentenkollegen, hätten sie allein letztes Jahr rund 170 Milliarden Euro mehr ausgeben können. Und da die Sparkonten nicht zuletzt wegen der in der Coronazeit angehäuften Reserven prall gefüllt sind, wäre das kein Harakiri für die privaten Finanzen gewesen – jedenfalls nicht für den Durchschnittsbürger. 14 Milliarden Euro monatlich mehr in den Ladenkassen, da wäre auch hierzulande die Konjunktur – vorsichtig gesagt – besser.
(Quelle: Bundesbank, https://publikationen.bundesbank.de/publikationen-de/berichte-studien/monatsberichte/monatsbericht-februar-2025-928514?article=konjunktur-in-deutschland-950650 )
Da auch ein Hauch von so einem Ausgabesegen fehlte, dümpelte die Konjunktur wieder mal wie seit Mitte 2022 dahin. Der neueste Monatsbericht der Deutschen Bundesbank beschreibt den Konsum in der typisch staubtrockenen Sprache der dortigen Volkswirte: „Der private Konsum profitiert zwar weiterhin von den kräftig gestiegenen Löhnen. Allerdings ist die Stimmung der Verbraucher laut Umfragen des Marktforschungsinstituts GfK nach wie vor gedämpft. Im Januar lagen sowohl die Konjunktur- und Einkommenserwartungen als auch die Anschaffungsneigung unter dem Mittel des Vorquartals, während die Sparneigung stagnierte.“
Passt haargenau zur Berechnung der Statistiker, die ebenso knochentrocken feststellen: „Für das gesamte Jahr 2024 haben die neuesten Berechnungen den Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,2 % zum Vorjahr (kalenderbereinigt ebenfalls -0,2 %) bestätigt.“ Der müde Export und die noch müdere Industrie können keinen rechten Ausgleich für die Konsumunlust bieten. So bleibt als einzige Stütze der bisher noch am ehesten florierende Dienstleistungsbereich. Alles zusammen addiert sich zu einem einzigen Wort: „Stagnation“, ein Abschiedsgeschenk der Ampelkoalition.
Auch ein Märchen der Ampeltruppe hat das Statistische Bundesamt gerade abgeräumt: dass der Staat sich kaputtspart. Denn sein Finanzierungsdefizit lag nach vorläufigen Berechnungen 2024 bei üppigen 119 Milliarden Euro. Und so war das staatliche Defizit auf allen Verwaltungsebenen vom Bund bis zu den Kommunen um 15 Milliarden Euro höher als 2023. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt errechnet sich für letztes Jahr eine Defizitquote von 2,8 Prozent nach 2,5 Prozent im Jahr zuvor. Also wenn das „Kaputtsparen“ ist, dann möchte ich aber besser keinen „Ausgabenrausch“ erleben. Dazu passt dann auch, dass die Einnahmen des Staates mit 2.013 Milliarden Euro 2024 erstmals die Marke von zwei Billionen Euro überschritten und einen Zuwachs der Staatseinnahmen von 4,8 Prozent verbuchen konnten.
(Quelle: destatis, https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/02/PD25_070_813.html )
Auch bei der Umverteilerei liegt Deutschland zwar unter einigen Extremkandidaten, aber schlechter als der Euroraum und die EU sowie deutlich übler als große Konkurrenten wie Japan oder die USA. Gemessen wird in der gerade gezeigten Tabelle der Anteil aller staatlich beeinflussten Ausgaben am Bruttoinlandsprodukt. Da gehören dann zum Beispiel die staatliche Rentenversicherung und Krankenkasse dazu. So fließt fast die Hände durch die Kassen von Vater Staat.
Dieses ganze Gejammer, der Staat habe nicht genug Geld, er müsse sich daher den Gürtel immer enger schnallen und könne ohne eine Plünderung der Reichen leider nicht mehr genug für die Bürger tun, ist reiner Quatsch. In Wirklichkeit versickert ein Teil der zwei Billionen Euro irgendwo in der Verwaltung, wird falsch oder zumindest nicht zielgenau verwendet. Dahinter steht das Bild, dass ausgerechnet der ineffiziente Staatsapparat sich um Alles du Jedes kümmern soll. Ich fasse es manchmal nicht, wie jemand solch einer Idee anhängen kann.
Themenwechsel. Ich gehe mal davon aus, dass ein beachtlicher Teil der Mailleser kein Kantinenessen zu sich nimmt. Dennoch scheint mir eine Auswertung der beliebtesten Kantinenessen interessant. Vor einem guten halben Jahrzehnt begann dort nämlich die schwindende Beliebtheit eines Kantinenklassikers: der Currywurst. Früher der unumstrittene Star unter den Gerichten, schwand die Gunst der Mittagspausenesser laut Daten des Cateringunternehmens Apetito so dahin, dass er damals von Spaghetti Bolognese überholt werden konnte.
Inzwischen ist das scharfe Wurstvergnügen bei den fast 10 Millionen Kantinenbesuchern gar hinter einer Pesto-Pfanne auf Rang drei abgerutscht. So komische Sachen dominieren auch deshalb, weil für die Verköstigung laut Dehoga lediglich ein Durchschnittspreis von 3,80 Euro zur Verfügung steht. Der zu meiner Zeit gefeierte Tag mit Schnitzel und Pommes (Schnipo) dürfte bei den heutigen Preisen daher nicht mehr oder nur ganz selten drin sein.