Liebe Leser,
nach einer ersten Prognose des Statistischen Bundesamtes, die sich im Nachhinein meist als bis auf vielleicht ein Promille als zuverlässig erweist, sind die Verbraucherpreise im Januar mit 2,3 Prozent Jahresrate wieder etwas langsamer gestiegen als zum Jahresschluss mit 2,6 Prozent. Gegenüber dem Vormonat sanken sie gar um 0,2 Prozent. Und in einer Beziehung blieb alles bei Alten: während die Preise für Waren konjunkturbedingt nur um 0,9 Prozent zum Vorjahreswert zulegten, blieb die Inflation bei Dienstleistungen mit plus 4,0 Prozent vergleichsweise hoch, wenngleich sich auch hier ein minimale Entspannung ergab. Auch Nahrungsmittel stiegen – allen traurigen Berichten für Schokoladenfreunde zum Trotz – mit 0,8 Prozent im Preis nur sehr moderat.
(Quelle: destatis, https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/01/PD25_043_611.html )
Wenn Sie mal wirkliche Inflation erblicken wollen, dann schauen Sie auf den internationalen Kakaopreis. Der hat sich binnen Jahresfrist auf letzte Woche in der Spitze 11.680 Dollar je Tonne verfünffacht. Durch einer Kombination schlechter Ernten ist eine echte Knappheit der braunen Bohnen entstanden. Die Bauern in Westafrika erleben, wie der Boden austrocknet und die Schoten an den Bäumen verdorren, was die Erwartungen für die bevorstehende Ernte zur Mitte der Erntezeit schmälert und das Risiko eines vierten globalen Angebotsdefizits in Folge erhöht. Unterdessen teilt die Internationale Kakaoorganisation (ICCO) mit, dass eine Erhebung der weltweiten Kakaovorräte am Ende der Saison 2023/24 nur leicht über eine Million Tonnen betrug, was einem Rückgang von 36 Prozent gegenüber dem Vorjahr und weniger als eine vorherige Schätzung von 1,3 Millionen Tonnen entspricht. Gleichzeitig fielen die Kakaobestände in US-Häfen auf ein 21-Jahres-Tief von 1.26 Millionen Säcken.
(Quelle: TradingEconomics, https://tradingeconomics.com/commodity/cocoa und: tagesschau 22.1.25, https://www.tagesschau.de/wirtschaft/verbraucher/schokolade-preise-kakao-100.html )
An höhere Preise des Rohprodukts kann sich niemand erinnern. Klar, dass dann auch hierzulande die Schokolade teurer wird. So müssen die Verbraucher zum Beispiel für die bekannte Marke Milka tiefer in die Tasche greifen. Große Handelsketten wie Aldi, Edeka, Kaufland, Rewe und Rossmann bieten die Tafeln in der klassischen Größe jetzt für 1,99 Euro an statt wie bisher für 1,49 Euro. Das zeigt eine Auswertung des Preisvergleichsportals Smhaggle, immerhin eine Anhebung um ein sattes Drittel.
Themenwechsel. Während die Republik noch staunend verfolgt, wie sich die Parteien zum Thema Migration sortieren, hat der Co-Chef der LINKEN, Jan van Aken (Jahrgang 1961), eine Lösung, die Detailkram wie Zurückweisungen an der Grenze zur Bagatelle herabstuft. Man solle, fordert es, auch Klimaflüchtlinge in die deutsche Asylgemeinde aufnehmen. Zwar gäbe es durchaus eine Grenze für die heimische Aufnahmefähigkeit, aber die sei doch wohl bei einer Million im Jahr noch längst nicht erreicht.
(Quelle: WAZ, 31.125, https://www.waz.de/politik/article408201588/eine-million-migranten-im-jahr-ist-voellig-ueberschaubare-zahl.htmlund: 29.1.25, https://www.dw.com/de/linken-chef-van-aken-migrationsdebatte-richtig-schlimm/video-71440215 )
Seine beiden Interviews bei der FUNKE Mediengruppe und der Deutschen Welle (DW) ultrakurz zusammengefasst: an der bisherigen Politik wären Änderungen fehl am Platz und wenn, dann müsste weiter liberalisiert werden. So ist seine LINKE auch die einzige Partei, die Abschiebungen generell ablehnt, auch die von Straftätern. Das wäre, so von Aken, eine doppelte Bestrafung. Wer nach verbüßter Strafe in Deutschland in sein Herkunftsland abgeschoben würde, würde anders behandelt als ein deutscher Straftäter, der seine Strafe verbüßt habe. Das sei nicht richtig.
Da kommt ihm Friedrich Merz als Hassfigur natürlich gerade recht: der wolle straffällig gewordene Menschen mit doppelter Staatsbürgerschaft ihren deutschen Pass wieder zu entziehen. „Da gibt es wirklich Millionen von Menschen hier, die sagen, bin ich jetzt nur noch Deutscher zweiter Klasse, weil meine Eltern mal eingewandert sind.“ Seine Warnung: „Ich glaube, wir müssen aufpassen, dass wir hier die Gesellschaft so spalten, dass am Ende gar nichts mehr geht.“ Aber, viel Feind, viel Ehr‘, auch die SPD kriegt ihr Fett weg, allerdings bei einem anderen Thema. Sie mache im Wahlkampf große soziale Versprechen, die sie dann nicht einhalte: „Ich sage immer, ohne eine starke Linke macht am Ende die SPD nicht das, was sie jetzt verspricht. Deswegen ist das ein sehr starkes Argument für uns.“
Am 23. Februar ist es nach den Umfragen, der katastrophalen Performance seiner eigenen Partei und der „Abspaltung“ des Bund Sahra Wagenknecht (BSW) eher zweifelhaft, ob die LINKE die für den Deutschen Bundestag nötigen fünf Prozent bei den Zweitstimmen erringt. Doch die Minipartei hat einen Plan B: sie will mit drei alten prominenten Parteimitgliedern mindestens drei Direktmandate holen. Gelingt ihr das, würde die fünf-Prozent-Klausel für sie nicht gelten. Bei der letzten Wahl 2021 schaffte die Truppe nur 4,9 Prozent, zog aber wegen dreier Direktmandate (Gregor Gysi und Gesine Lötsch in Berlin, Sören Pellmann, Leipzig) in vollem Umfang in den Bundestag ein. Eine merkwürdige Sonderregelung. Daher läuft 2025 „Mission Silberlocke“, bei der zuvorderst die langjährigen Linken-Stars Gregor Gysi, Dietmar Bartsch und Bodo Ramelow Direktmandate holen sollen.