Liebe Leser,
ich habe Ihnen ja am Donnerstag von den „Erfolgen“ der Volksbanken berichtet. Daraufhin erreichten mich mehrere Zuschriften mit teils sehr detaillierten Hinweisen auf Probleme auch anderer als den genannten Fällen in dieser Institutsgruppe. Heute will ich aber was anderes zum Thema genossenschaftliche Finanzgruppe nachtragen. Von einer kräftigen Abwertung beim offenen Immobilienfonds „UniImmo Wohnen ZBI“ des genossenschaftlichen Investmentriesen Union hatte ich Ihnen schon in der Morgenmail vom „Immobilienfonds: jetzt trifft es auch Großen“ zuletzt am 9. Juli berichtet. Aber es gibt einen weiteren Fonds dieser Gruppe, der alles andere als mit Erfolgen glänzt: den UniImmo Global (Wertpapier-KennNr.: 980 555), der laut Angaben der Fondsgesellschaft etwas für „risikoscheue Anleger“ sein soll. Dem haben diese Risikoscheuen immerhin 3,4 Milliarden Euro (netto zum 30.9.24) anvertraut.
Empfohlen wird denen, wohl vorzugsweise Kunden der Volksbanken, ein Anlagehorizont von „fünf Jahren oder länger“. Mit gutem Grund: fünf Prozent landen beim Kauf nicht im erworbenen Fonds, sondern als eine Art Vertriebsanreiz beim verkaufenden Institut. Das haut bei den sehr mäßigen Anlageerfolgen kurzfristig voll rein. Hier mal die traurige Rechnung original von der Internetseite der Fondsgesellschaft „Union Investment“, die Entwicklung des UniImmo Global über fünf Jahre von Oktober 2019 bis Oktober 2024. Berücksichtigt man den Ausgabeaufschlag zu Beginn des Investments, bleibt insgesamt ein Verlust von zwei Prozent für den Zertifikatskäufer übrig. Da hätte man das Geld besser im Sparschwein aufbewahrt. Die beste Wertsteigerung lag bei jährlich 1,4 Prozent – nicht eben viel für das weltweite Gewese mit 59 Liegenschaften.
(Quelle: Union, https://www.union-investment.de/uniimmo_global-DE0009805556-fonds-980555/?portrait=2 )
Nun sollte man fair sein, Immobilien sind halt eine langfristige Sache und ein aktueller Stichtag für die Fondsmanager nicht gerade ideal, deshalb nehmen wir mal den maximalen Zeitraum in dem man im UniImmo Global investiert sein konnte, nämlich seit April 2004, also zwei Jahrzehnte. Klar, dass über diese Zeitspanne der anfängliche Ausgabeaufschlag eine geringere Rolle spielt. Aber dennoch ist das jährliche Ergebnis von etwas über zwei Prozent nicht gerade berauschend,
Und die aktuelle Krise hat die Mannschaft voll erwischt. Denn sie hatte im Fonds Schwerpunkte gebildet, die sich – vorhersehbar oder nicht – genau als die falschen Eckchen des Immobilienmarktes erweisen: Bürogebäude und Einzelhandelsobjekte. Die einen belastet neben der müden Konjunktur das Homeoffice, die anderen die Konsumflaute.
(Quelle: Union: file:///C:/Users/Peter%20Martin/Downloads/UniImmo_%20Global%20%E2%80%93%20Halbjahresbericht%20zum%2030.%20September%202024.pdf )
Eher schon trotzig klingt, was das Management in seinem letzten Rechenschaftsbericht schreibt: „Eine Immobilienanlage war, ist und bleibt ein wichtiger Baustein in der Vermögensstruktur privater und institutioneller Anlegerinnen und Anleger.“ Die aber scheinen doch nicht so recht zufrieden zu sein, denn alleine im letzten Halbjahr gaben sie für gut 101 Millionen Euro mehr Anteile zurück, als sie neu kauften. Und da ist wohl mit einer Fortsetzung zu rechnen. Denn bei der Fondsgesellschaft kann man die Anteile zwar zum errechneten Inventarwert zurückgeben, aber nach traurigen Erfahrungen in der letzten Finanzkrise ist bei den offenen Immobilienfonds da eine Wartezeit von einem Jahr eingebaut worden.
Generell gilt: Fondsanteile müssen ab dem Kaufdatum mindestens 24 Monate gehalten werden. Erst dann können sie an die Kapitalverwaltungsgesellschaft zurückgegeben werden. Für Fondsanteile, die nach dem 21. Juli 2013 gekauft wurden, gilt außerdem eine zwölfmonatige Kündigungsfrist für die Rückgabe. Man kann jedoch seine UniImmo Global auch an der Börse sofort verkaufen. Nur muss man dort zur Zeit einen Abschlag von 13 Prozent akzeptieren. Das spricht dafür, dass die Anteile buchstäblich nicht hoch im Kurs stehen und spiegelt eine gewisse Skepsis der Anleger wider.
(Quelle: Comdirect, https://www.comdirect.de/inf/fonds/detail/chart.html?timeSpan=5Y&ID_NOTATION=91876891#timeSpan=SE&e& )
Nimmt man die Bewertung des Fondswertes der Anleger als Maßstab und nicht, was die Experten im Auftrag des Fonds taxieren, dann ist der Fonds selbst unter Berücksichtigung der jährlichen Ausschüttungen seit Anfang 2017 im Minus. Verdient haben im Gegensatz zu den Anlagern die verkaufenden Volksbanken und die Fondsgesellschaft. Die Bank nahm schon beim Kauf die erwähnten fünf Prozent Ausgabeaufschlag, bekam dann aber auch Jahr für Jahr während des Engagements des Kunden 25 bis 35 Prozent der von der Union Investment berechneten Verwaltungsvergütung. Depotgebühren fielen natürlich auch noch ab. Die Union kassierte den nicht an die Volksbanken abzuführenden Teil der Vergütung, so um die 0,7 Prozent. Das hörte sich klein an, aber bei noch 3,3 Milliarden Euro Fondsvermögen sind das immerhin auch jährlich 23 Millionen Euro. Hinzu kommen für den Anleger noch die laufenden Kosten der Fondsverwaltung, von um die 0,7 Prozent. Heißt: am Bruttoertrag seiner Immobilienanlage saugen Banken und Fondsgesellschaft mit.
Sowas muss man als Kunde mögen. Warum habe ich Ihnen das nun so im Detail erzählt? Weil der UniImmo Global typisch für die offenen Immobilienfonds ist. Zwei Krisen in weniger als zwei Jahrzehnten das scheint mir insgesamt keine ideale Anlageform zu sein.
Achtung. Ja ich weißt, ein Teil dieser Mail ist schon mal an einen Teil der Leser herausgegangen. Das war ein Irrläufer, weil ich die Mails zuweilen zwischen den Computern daheim und im Büro hin- und her schicke. Also hier noch einmal für alle und erweitert. Für unsere Freunde der Weltverbesser ist alles klar: Argentiniens Präsident Javier Milei ist ein Anarchokapitalist ersten Ranges der die sozialen Verhältnisse seines Landes ruiniert und Donald Trump der Inbegriff des Bösen, der gegen Migration und die Wegduckpolitik der Deutschen, die lieber 120 jährliche Milliarden in die Rente als ein paar mehr in ihre Landesverteidigung investieren, schon in der ersten Amtszeit gestänkert hat.
Und wie um diese Herr- und Frauschaften zu ärgern, traf Trump als ersten ausländischen Staatschef überhaupt ausgerechnet Milei auf seinem Milliardärsanwesen Mar-a-Lago in Florida. Der gratulierte Trump zu seinem „überwältigenden Sieg“ bei den Wahlen und sagte: „Heute weht der Wind der Freiheit viel stärker.“ Der so Angehimmelte revanchierte sich artig: „Die Arbeit, die Sie geleistet haben, ist unglaublich. Make Argentina Great Again.“ Kein Wunder, plant doch auch der Donald mit seinem Kumpel Elon Musk an der Seite einen radikalen Bürokratieabbau, wie ihn Javier vor einem Jahr vorgemacht hat.
(Quelle: ZEIT, 15.11.24, https://www.zeit.de/politik/ausland/2024-11/usa-donald-trump-gala-praesident-argentinien )
Nun kann man ja irgendwie nachfühlen, dass Menschen, die sich jahrelang mit der korrekten Formulierung bei dunkelhäutigen Zeitgenossen herumgeschlagen oder über sichere Krötenwanderungen nachgesonnen haben, für die beiden Holzhammerpolitiker nicht gerade Begeisterung empfinden. Aber was, wenn die beiden erkennbaren Erfolg haben sollten? Schließlich will Trumps Kettenhund Elon Musk hunderte von Milliarden Dollar in der gigantischen Verwaltung einsparen und Milei hat nach seinem Amtsantritt vor einem Jahr nicht zuletzt mit der Halbierung der Zahl der Ministerinen gezeigt, wie so etwas gehen könnte.
Interessant demnach, mal in ein Interview reinzuschnuppern, das Milei der Londoner Wirtschaftszeitschrift ECONOMIST vor ein paar Tagen gegeben hat. Genau nach dieser Verkleinerung des Staates gefragt, antwortet Milei: „Zunächst einmal gibt es einen philosophischen Rahmen. Abgesehen von den kurzfristigen Einschränkungen betrachte ich den Staat immer noch als eine gewalttätige kriminelle Organisation, die von einer Zwangseinnahmequelle namens Steuern lebt, die ein Überbleibsel der Sklaverei sind. Je größer der Staat, desto mehr werden Freiheit und Eigentum eingeschränkt. Das ist folglich der Leitstern.“
Aber der Veränderer ist längst nicht beim Philosophieren geblieben: „Die Rückgabe Ihrer Freiheit bedeutete also eine Senkung der öffentlichen Ausgaben um real 30 Prozent. Für das Finanzministerium bedeutete dies eine Senkung um fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und für die Zentralbank eine Beseitigung des quasi-fiskalischen Defizits um 10 Prozent. All dies wurde in sechs Monaten erreicht. Beim Finanzministerium dauerte dies einen Monat, bei der Zentralbank sechs Monate. Aber man kann sagen, dass wir in sechs Monaten eine Anpassung von 15 Prozent des BIP erreicht haben. Niemals in der Menschheitsgeschichte wurde eine Anpassung dieser Größenordnung vorgenommen, und erst recht nicht in dieser Zeitspanne.“
(Quelle: ECONOMIST, 28.11.24, https://www.economist.com/the-americas/2024/11/28/an-interview-with-javier-milei-argentinas-president )
Und glaubt er, dass so ein Programm auch im Ausland anwendbar wäre? Milei: „Ja, es gibt viele Dinge, die umgesetzt werden können. Denn wir haben nicht nur das Defizit der Staatskasse reduziert und die Zentralbank saniert. Wir haben auch eine Agenda für Deregulierung und Strukturreformen. Tatsächlich haben wir zwischen dem Basisgesetz und DNU 70/2023 [einem Präsidialdekret] 800 Strukturreformen durchgeführt. Das heißt, es handelt sich um eine Strukturreform, die achtmal größer ist als die, die [Carlos] Menem [ein ehemaliger Präsident] in seinen 10 Jahren durchgeführt hat, die größte Strukturreform in der Geschichte Argentiniens. Wir haben sie in weniger als sechs Monaten geschafft, mit 15 Prozent der Abgeordnetenkammer und 10 Prozent der Senatorenkammer.“
Da liegt natürlich die Frage nahe, ob Milei schon mit Elon Musk gesprochen hat, der in den USA ähnlich Radikales plant? Milei: „Elon Musk selbst sagt, er verfolge den Fall in Argentinien aktiv. Außerdem habe ich ihm die Kontaktdaten unserer Minister gegeben.“ Und was könnten die ihm raten: „Interessant ist, wo genau die Ausgabenkürzungen angesetzt wurden. Wir haben die Staatsstruktur um die Hälfte reduziert, wir haben öffentliche Arbeiten gestrichen, wir haben die freiwilligen Transfers an die Provinzen gestrichen, wir haben die Zahl der öffentlichen Angestellten reduziert … sagen wir mal, wir haben die meisten auslaufenden Verträge nicht verlängert. Wir haben auch die Zwischenhändler bei der Verwaltung sozialer Programme abgeschafft.“
Und was sieht Milei als größte Bedrohung für seinen Kurs an: „Die politische Parteien, die Kaste. Sie sind diejenigen, die dies bedrohen, denn sie sind die Verlierer in all dem. Die Kaste besteht, sagen wir, aus korrupten Politikern. Sie besteht, sagen wir, aus bestochenen Journalisten. Sie besteht aus Geschäftsleuten, aus betrügerischen Gewerkschaftern und aus Fachleuten, die für die Kaste arbeiten. Das ist alles.“ Folgerichtig meint er zum Abschluss des extrem langen Interviews auf die Frage nach den größten Gefahren für seine Radikalreformen noch: „Das politische Risiko besteht darin, dass die Menschen die Politik der Vergangenheit, die uns arm gemacht hat, fortsetzen wollen. Wenn die Menschen sich dafür entscheiden, dann entscheiden sie sich eben dafür. Es wäre für sie schwierig, sich dafür zu entscheiden, wenn sie sehen, dass die Dinge auch gut und besser gemacht werden können.“