Liebe Leser,
ein Kollege hat mich angewiesen, heute doch bitte mal was Positives zu schreiben. Das fällt im Augenblick ein bisschen schwer. Aber man muss halt suchen, also ein Versuch. Da die Leutchen immer weniger arbeiten wollen, gerne mal krank, aber immer teurer werden, ist Automatisierung ein Gebot der Stunde. Ich habe Sie da ja schon mit einigen Schnurren über humanoide Roboter zu beglücken versucht. Schon weiter voran ist man in den Fabrikhallen, Sie alle kennen die beeindruckenden Fotos aus der Autoproduktion wo diverse Automaten am werdenden Fahrzeug schweißen und schrauben.
Und da zeigt sich, dass die Deutschen wenigstens in dieser Hinsicht weit vorne liegen, wenn man die Größe des Landes und seine Bedeutung in Relation zur Roboterdichte setzt. So wurde 2023 nicht nur ein Rekord bei den Neuanschaffungen erzielt, sondern mit 28.400 Industrierobotern kam man sogar den USA mit ihren 38.000 recht nahe. Immerhin haben die Amis eine fast vier Mal so große Bevölkerung. Jeder 20. weltweit verkaufte Industrieroboter wurde in Germany aufgestellt.
Weit in Front dabei eine andere alternde Industriegesellschaft: China. 51 Prozent all dieser Automaten wurden dort platziert. Und verblüffend: mit 276.000 neuen Geräten bauten die Chinesen bei sich sieben Mal so viele Industrieroboter auf wie die USA. Noch vor den Amerikanern kommen übrigens die Japaner mit 46.000 Einheiten. Auch das ein rasch alterndes Land, das stark auf die Robotik setzt.
Der Weltverband der Roboterbauer IFR hat mal die werkelnden Geräte auf die arbeitende Bevölkerung umgerechnet und sozusagen eine Hitliste der roboterfreundlichsten Länder zusammengestellt. An der Spitze auch hier die alternden Staaten. Allen voran: Süd-Korea mit 1.012 solcher Geräte pro 10.000 menschlichen Mitarbeitern. Singapur lassen wir mal als kleinen Sonderfall weg, dann folgen China (470) und Deutschland (429). Wie zum Beweis der Altersthese dann direkt danach Japan (419). Da sind die Deutschen auf dem Fortschrittspfad das drittbeste Flächenland. Das ist doch schon mal ein Ansatz.
(Quelle: IFR, https://ifr.org/ifr-press-releases/news/global-robot-density-in-factories-doubled-in-seven-years#downloads und: https://ifr.org/downloads/press2018/Press_Conference_2024.pdf )
Zum Ende des kurzen Ausflugs in die Automatenwelt hier noch eine Grafik, wie viele Roboter in Fabrikhallen weltweit installiert sind, inzwischen über vier Millionen mit einer klaren Tendenz nach oben.
Themenwechsel. Fast ein bisschen in Vergessenheit gerät im politisch aufgeregten Deutschland der Ukraine-Krieg, der am Dienstag 1.000 Tage andauerte. Zur „Feier des Tages“ schossen die Ukrainer erstmals mit amerikanischen Atacms-Raketen auf russisches Territorium, nachdem der US-Präsident dafür grünes Licht gegeben hatte.
Inzwischen kamen auch erstmal westliche Marschflugkörper – in diesem Fall vom englischen Typ „Storm-Shadow“ – in dieser Weise zum Einsatz. Nach einem Bericht der Denkfabrik ISW in Washington, der auf Aufnahmen nach dem Angriff basiert, wurde in der Nacht zum Mittwoch das russisch/nordkoreanische Hauptquartier für die Kursk-Gegenoffensive getroffen.
Russlands Armee hat bei Kursk 50.000 Soldaten, unter ihnen etwa 10.000 Nordkoreaner, zu einer Gegenoffensive zusammengezogen, mit der sie die von ukrainischen Truppen seit Sommer besetzten Gebiete zurückerobern will. Die luftgestützten Storm-Shadow-Marschflugkörper haben eine Reichweite von mehr als 250 Kilometern und können Präzisionsangriffe auf Ziele wie Bunker und kritische Infrastrukturen führen. Vor dem nun gemeldeten Angriff hatte die Ukraine ein russisches Waffenlager in der Region Brjansk mit weitreichenden amerikanischen Atacms-Raketen beschossen. Der Generalstab in Kiew bestätigte einen Angriff auf ein gegnerisches Munitionsdepot bei der Stadt Karatschew.
Hier mal eine aktualisierte Fassung der Ihnen schon bekannten Tabelle, bei der das auf beiden Seiten zerstörte oder eroberte Kriegsmaterial gegenübergestellt wird. Diese Zahlen stellen wohl die Untergrenze der tatsächlichen Verluste dar, denn das Analyseportal Oryx verwendet ausschließlich geolokalisierte Filme oder Fotos und eliminiert Doppelzählungen. Wo kein Bild, da kein Verlust bei Oryx.
(Quelle: SPIEGEL, https://www.spiegel.de/ausland/institut-fuer-kriegsstudien-ukraine-soll-hauptquartier-der-kursk-gegenoffensive-getroffen-haben-a-a1282a0e-e6b2-4203-9ab8-741d9bd6b2e6 und: ISW, https://www.understandingwar.org/backgrounder/russian-offensive-campaign-assessment-november-20-2024)
Demnach haben die Russen seit Kriegsbeginn mindestens 3.577 Panzer verloren, die Ukrainer 976. Dieses Verhältnis von knapp 3,7 zu eins bleibt seit Monaten ungefähr gleich. Nimmt man alles schwere Kriegsgerät, büßten die Okkupationstruppen mindestens 19.168 Einheiten ein – ein auch für eine so groß dimensionierte Militärkraft beachtlicher Aderlass.
Zusammenfassend kann man wohl sagen: die Ukrainer haben sich sehr wacker geschlagen und einiges Gefahrenpotential für Europas Sicherheit auf russischer Seite zerstört. Die Hilfen aus dem Westen – oft eher spärlich fließend – sind daher aus meiner Sicht gut investiert. Wie es jetzt weiter geht, wird wohl Anfang nächsten Jahres eher in Washington als in Brüssel oder gar Berlin entschieden. Mal sehen, was Donald Trump bei seinem angekündigten Poker mit Wladimir Putin für Karten auf den Tisch legt.