Liebe Leser,
seit der Auflegung am 28. Juli 2017 haben Anleger beim in der Spitze fünf Milliarden Euro schweren offenen Immobilienfonds „UniImmo Wohnen ZBI“ knapp 13 Prozent verloren. Dabei hatte das Konstrukt noch vor wenigen Wochen mit der „Teilnahme an den regelmäßigen Erträgen und möglichen Wertsteigerungen einer Immobilienanlage“ geworben und die Anteile „risikoscheuen“ Anlegern ans Herz gelegt. Dann aber kam der 27. Juni 2024 und der Wert der Immobilien – vorzugsweise in deutschen 1B-Lagen – wurde von den Sachverständigen auf einen Schlag um fast 17 Prozent nach unten korrigiert.
(Quelle: Union/ZBI, https://www.zbi.de/uniimmowohnen-zbi/ und: https://www.zbi.de/wp-content/uploads/unnamed-file.pdf/640762_Anlegerinformation_Sonderbewertung_UniImmo_Wohnen_ZBI_20240625.pdf )
Hatte man in den guten Zeiten bis Anfang 2022 an der Börse für die dort gehandelten Anteile sogar mehr geboten als den von der Gesellschaft selbst errechneten Inventarwert, stürzte das Vehikel zunehmend ab. Da der Börsenwert kräftig unter den errechneten Wert fiel, konnte man ahnen, dass die Anleger den Bewertungen der Sachverständigen schon in den letzten beiden Jahren zunehmend weniger über den Weg trauten.
Folge: zahlte man im Börsenhandel auf dem Höhepunkt 56 Euro für das Zertifikat, sind es nun nur noch 33 Euro, allein letzten Freitag fiel das Ding noch einmal um 4,4 Prozent. Wenn das was für risikoscheue Anleger ist, dann möchte ich aber nicht einen Fonds für Risikoliebhaber erleben.
(Quelle: Investmentcheck, https://www.investmentcheck.de/das-ende-der-preistraeumereien/ )
Völlig neu ist die Abwertung der Bestände bei offenen Immobilienfonds nicht: schon Ende 2023 hatte der eher kleine KanAm-Fonds „Leading Cities Invest“ in einer außerordentlichen Bewertungsreduzierung um 10 Prozent abgewertet. Das Neue beim UniImmo ist, dass es nun einen Milliardenfonds traf. Da werden die anderen Fonds wohl auch mal nachdenken müssen. Wer so ein Papierchen im Depot hat, muss daher damit rechnen, dass auch ihm eine trübe Nachricht a la UniImmo ins Haus flattern könnte.
Auch dem Fondsriesen Union Investment und den von ihm bedienten Volksbanken und Raiffeisenbanken könnte Ärger ins Haus stehen. Denn wie schreibt der Branchendienst Immocheck wegen der immer noch verkauften Zertifikate: „Das hätte bei einer guten Beratung nicht mehr sein dürfen, denn der Börsenkurs liegt seit Mitte 2022 mit zunehmendem Abstand unter den gutachterlich ermittelten Nettovermögenswerten. Ein seriöser Finanzberater hätte darauf hinweisen müssen und erläutern, dass ein Kauf über die Börse deutlich günstiger ist als der Erwerb von neuen Fondsanteilen zum Ausgabepreis.“ Aber da hätte es viel weniger Provision gegeben könnte man noch hinzufügen.
Muss man bei der Rückgabe von Anteilen an die Fondsgesellschaft eine Kündigungsfrist von einem Jahr abwarten, kann man an der Börse sofort an Bares kommen, nur muss der dabei erzielte Preis dort nicht mit den errechneten Werten übereinstimmen – Angebot und Nachfrage halt. In einem Abschlag drückt sich dann das Misstrauen oder der Verkaufsdruck aus.
Bei der klassischen Rückgabe haben alle deutschen Immobilienfonds seit Juli 2023 bis Mai 2024 auch unter Berücksichtigung neuer Anteilsverkäufe netto nur noch Abflüsse gesehen. Seit Februar sind es Monat für Monat über 400 Millionen Euro. Was nach der obigen Schilderung denkbarer Abschläge ziemlich wenig ist. Insgesamt wurden netto nur 2,6 Milliarden Euro gekündigt und das waren lediglich etwa eineinhalb Prozent des angelegten Vermögens. Das könnte sich nach dem Paukenschlag UniImmo allerdings ändern.
(Quelle: Bundesbank, https://www.bundesbank.de/de/statistiken/geld-und-kapitalmaerkte/-/investmentfondsstatistik-804052 )
Da darf man neugierig bleiben, was andere Branchenschwergewichte anstellen werden. Nehmen wir mal den „grundbesitz europa RC“ der Deutsche Bank-Tochter DWS. Der schon seit 1970 bestehende Fonds besitzt in Europa Immobilien und verwaltete zuletzt gut 7,5 Milliarden Euro. Bei ihm hält sich der Kursverlust im Börsenhandel mit knapp vier Prozent noch sehr in Grenzen.
(Quelle: https://realassets.dws.com/offene-immobilienfonds/de0009807008-grundbesitz-europa-rc/ )
Aber flaue Immobilienmärkte und gestiegene Zinsen, die rechnerisch den Wert mindern, treffen nicht UniImmo allein. Und ob die Sachverständigen bei anderen Fonds diese Entwicklungen völlig ignorieren können steht dahin. Daher schauen Sie lieber noch mal in Ihrem Depot nach, ob da noch so ein Schätzchen vor sich hin schlummert. In den Zeiten des Null- oder Minuszinses hatte manch einer die scheinbaren Renditespender Immobilienfonds für sich als noch halbwegs attraktiv angesehen und/oder sich von seinem Berater bequatschen lassen.
Themenwechsel. Jeder fünfte Haushalt in Deutschland wird von einem Single bewohnt, genau genommen letztes Jahr 20,3 Prozent. Das liegt auch in Europa ziemlich weit vorne. Im EU-Durchschnitt waren es 16,1 Prozent, zwei Prozentpunkte mehr als die 14,2 Prozent vor einem Jahrzehnt. Nur in Finnland und einigen Ländern Nord- und Nordosteuropas finden sich aktuell noch höhere Anteile von bis zu über einem Viertel (Finnland: 25,8 Prozent/Schweden: 24,1 Prozent). Gemütliches Zusammenleben hingegen in Portugal (9,8 Prozent) und Irland (8,3 Prozent).
(Quelle: destatis, 2.7.24, https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/Zahl-der-Woche/2024/PD24_27_p002.html )
Doch bevor Sie nun glauben, ein immer größerer Teil der Deutschen würde sich dank digitaler Singlebörsen einem ausschweifendem Sexleben hingeben, lohnt ein Blick auf die Verteilung dieser Anteile nach Altersgruppen. Über dem genannten deutschen Durchschnitt liegen die Altersgruppen von 20 bis 35 Jahren (blaue Markierung links). Da könnte ein ungebundenes Leben, Studium, aber auch ein noch fehlender Dauerpartner eine Rolle spielen.
Den Löwenanteil indes steuern die Oldies bei. Ab 75 Jahren steigt der Anteil der Einzelhaushalte stark an und erreicht bei den über 85-jährigen dann mit gut der Hälfte seinen Höhepunkt (blaue Markierung rechts). Da spielt hinein, dass Frauen bekanntermaßen länger leben als die Kerle. Eine angehende Rentnerin hat gut drei Jahre mehr Lebenserwartung als ihr männliches Pendant.
Und die achtzigjährige Witwe findet nicht so leicht einen männlichen Wohngenossen für Tisch und Bett. So liegt denn auch der Anteil der Singlehaushalte bei den Damen ab 85 Jahre bei stolzen 70 Prozent, während es bei den Herren nur 31 Prozent sind. Opa bleibt die Zweisamkeit häufiger erhalten als Oma. Im alter ab 85 Jahren stehen 322.000 Witwern knapp 1,3 Millionen Witwen gegenüber.