Liebe Leser,
mal wieder was zur deutschen Konjunktur. Die lahmt seit Jahren, doch die wahren Hagelschauer waren 2020 Corona und 2022 der Beginn des Ukrainekrieges mit seinen Preisschüben bei Rohstoffen und vor allem Energie. Ich zeige Ihnen die Auswirkungen mal anhand der Stimmungen bei den Konsumenten (rote Linie) und in der Wirtschaft (braun). Die beiden Ereignisse Dellen zu nennen, hieße ihre Bedeutung herabwürdigen, denn dieser Doppelschlag des letzten halben Jahrzehnts hat für die hiesige Ökonomie deutliche Folgen gehabt, die von der Stimmung bis zu Abwanderungsgelüsten einzelner Unternehmen reichen.
Die Grafik zeigt aber auch, dass zuletzt wieder ein zartes Pflänzlein erblüht ist. Sowohl in der Wirtschaft als auch bei den Konsumenten ist die Stimmung besser geworden. Die vom Einzelhandelsspezialisten GfK (vormals Gesellschaft für Konsumforschung) gemessene Verbraucherlaune stieg auf den besten Wert seit Februar 2022, also den Ukrainekriegsausbruch. Und beim im Auftrag der EU-Kommission erhobenen Umfragewert ist es genauso. Sogar für ganz Euro gilt diese Stimmungsaufhellung, wenngleich sehr unterschiedlich stark.
Einiges spricht dafür, dass sich dieser Trend in Deutschland auch weiter fortsetzt. Denn die Lohnsteigerungen sind als „Schluck aus der Pulle“ dieses Jahr üppig, sozusagen ein Nachholen der Inflationsverluste 2022/23, und die Preissteigerungen für den Verbraucher sind im April auf überschaubare 2,2 Prozent zurückgegangen. Heißt im Klartext: die Konsumenten haben auch real mehr auf dem Konto. Wozu noch die wegen Corona und Kaufzurückhaltung angestauten Gelder hinzukommen. Dazu noch mal zur Erinnerung:
Es ist also nicht allzu verwegen anzunehmen, dass die Läden in deutschen Innenstädten im zweiten Halbjahr wieder voller sein werden. Zumal es auch nicht unwahrscheinlich erscheint, dass die Europäische Zentralbank bereits im Juni mit Zinssenkungen beginnen wird. Dann werden auch Abzahlungskredite wieder billiger.
Auch die Börse gibt in dieser Hinsicht hoffnungsvolle Signale: fiel das Kursniveau im Oktober letzten Jahres noch einmal etwa auf den ersten Höchststand vom Februar 2000 (!) zurück, hat der Kursindex inzwischen um gut ein Fünftel auf fast den höchsten Stand aller Zeiten zugelegt. Zumindest an den Kursmonitoren scheint die Stimmung also schon wieder gut zu sein.
Zur besseren Laune passt sogar ein etwas morbider Indikator: seit der 8. Kalenderwoche (17.-23. Februar) wird weniger gestorben als im Durchschnitt der vier Vorjahre einer Referenzperiode. Im April 2024 sind nach einer Hochrechnung des Statistischen Bundesamtes 79.206 Menschen verblichen, das liegt sechs Prozent unter dem mittleren Wert (Median) der Jahre 2020 bis 2023 für diesen Monat.
(Quelle: destatis, https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2024/05/PD24_191_126.html )
Im Februar hatten die Sterbefallzahlen noch über dem Vergleichswert gelegen, doch mit Auslaufen der saisonalen Grippewelle dann darunter. Allerdings spielt ein Sonderfaktor in die Betrachtung hinein, den die Wiesbadener Statistiker nicht unerwähnt lassen wollen: „In den Frühjahrsmonaten der Vergleichsjahre waren die Sterbefallzahlen zum Teil im Zuge von Coronawellen erhöht. Das erklärt, warum die Sterbefallzahlen derzeit unter dem Vergleichswert der vier Vorjahre liegen. Aufgrund der Alterung der Bevölkerung wird beim Ausbleiben von Sondereffekten mit einem Anstieg der Sterbefälle von Jahr zu Jahr gerechnet.“
Für die nächsten sechs Monate indes stehen im Hinblick auf die Lebenslust gute Zeiten an. Ein bekanntes Phänomen – auf das ich Sie schon mehrfach hingewiesen habe – ist nämlich, dass von Mai bis Oktober im Jahresverlauf weniger Menschen aus dem Leben scheiden als im Rest des Jahres. Ich habe den Effekt „Dr. Sommer“ getauft. Nebenbei: das spricht auch etwas gegen den Verdacht, dass im Sommer unheimlich viele Hitzetote zu verzeichnen sind.
Zum Schluss noch ein kleiner Scherz auf Kosten unserer grünen Freunde, den mir ein Leser zugeschickt hat. Allen Grünwählern als Warnhinweis: jetzt einfach weggucken, er verstößt gleich gegen mehrere heutige Benimmregeln wie Grünenspott, Ausgrenzung dicker Menschen oder Scherze mit Namen.
Für einen einzelnen Leser, der sich die Mails immer im Auto vorlesen lässt, hier der Text noch mal wörtlich. Grüne Dame: „Spieglein, Spieglein an der Wand, warum sind wir so unglaubwürdig?“ Spiegel: „Weil Eure Vorsitzende Lang heißt und nicht Breit.“