Liebe Leser,
irgendwie scheint es rund um „Galeria Karstadt Kaufhof“ überhaupt keine Lernkurve zu geben. Wieder mal steht ein Verkauf an – diesmal munkelt man von 400 Millionen Euro Kaufpreis nach der je nach Zählweise dritten oder vierten Insolvenz des Gebildes und seiner Vorläufer. Und wieder spielt die Zahl der stillzulegenden Filialen eine Schlüsselrolle für die Gewerkschaftsvertreter und den Insolvenzverwalter.
(Quelle: HB, 10.4.24, ttps://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/warenhauskonzern-neue-galeria-eigentuemer-wollen-mehr-als-70-filialen-fortfuehren/100030926.html )
Motto: wer die meisten zu erhalten verspricht gewinnt. Richard Baker (Jahrgang 1965), Immobilientycoons aus den USA, hat jetzt den Zuschlag vom Insolvenzverwalter erhalten, weil er mindestens 70 von 92 Filialen offen halten will. Der zweite am Ende noch verbliebene Bieter wollte nur 60 offen bleibende Niederlassungen garantieren.
Eigentlich hat eine Gruppe rund um den Einzelhandelsfachmann Felix Finger (Jahrgang 1977) und die Personalexpertin Melina Brandstetter (Jahrgang 1989) dafür einen durchaus nachvollziehbaren Grund: bevor die letztendlichen – bisher völlig überteuerten – Mieten neu ausverhandelt sind, schien ihnen eine Garantie unseriös.
Baker hat da offenbar weniger Schwierigkeiten, er will schließlich nach eigenem Bekunden wachsen. Schönheitsfehler dabei: das ist bisher seit Jahren bei den Kaufhäusern nicht mehr nachhaltig gelungen und immerhin drei Jahre hatte er es als Chef der kanadischen „Hudson Bay Company“ selbst beim ehemaligen Kaufhof ergebnislos versucht. Schließlich gab er entnervt an den nun in die Pleite gefahrenen Ösi-Hasardeur Rene Benko (Jahrgang 1977) weiter.
(Quelle: Manager-Magazin, 9.4.24, https://www.manager-magazin.de/unternehmen/handel/galeria-karstadt-kaufhof-das-ist-investor-richard-baker-von-hbc-a-49ef19c3-97ce-4c55-953a-367e46dfa26b und: MM, 10.4.24, https://www.manager-magazin.de/unternehmen/handel/galeria-karstadt-kaufhof-60-filialen-sind-ueberlebensfaehig-a-a4567c59-2b37-49de-92eb-9e9b953e4c46 und WELT, 10.4.24, https://www.welt.de/wirtschaft/article250962066/Mehr-als-70-Galeria-Kaufhof-Filialen-sollen-fortgefuehrt-werden.html )
Ein weiterer Experte, der neben Baker Galeria wieder mal retten will, ist der Unternehmer Bernd Beetz (Jahrgang 1950), im Nebenberuf Präsident des Fußball-Drittligisten SV Waldhof Mannheim. Er war schon mal von 2018 bis 2019 Kaufhof-Aufsichtsratsvorsitzender, sehr erfolgreich dabei allerdings nicht. Nun aber betont er locker flockig: „Wir wollen langfristig investieren, entwickeln und wachsen.“ Wenn diese Voraussetzungen erfüllt seien, „können wir Galeria auf einen erfolgreichen Kurs bringen.“
Da ist dann auch Gesamtbetriebsratschef Jürgen Ettl mit dabei: „Es ist klar, dass es erneut zu harten Einschnitten kommen wird, aber es werden auch tausende von Arbeitsplätzen erhalten bleiben.“ Seine Kollegin Silke Zimmer, Ver.di-Bundesvorständin, sekundiert höflich: „Der neue Eigentümer sollte gemeinsam mit den Beschäftigten ein modernes Zukunftskonzept entwickeln und auf dem Weg bringen, das die Stärke der Warenhäuser ausspielt: ein breites Sortiment gepaart mit guter Beratung.“ Klingt alles nach schon vertrauten Sprechblasen – wenn das moderne Zukunftsmodell so einfach wäre.
Geht das so weiter geht, kann irgendwann ein Käufer nach der soundsovielten Insolvenz noch 100 Millionen Zugabe raushandeln und muss nur versprechen, 50 zusätzlich Filialen aufzumachen. Klappt dann leider mal wieder nicht, so wie bei allen Vorgängern die Zusagen dahinschwanden wie eine Schale Bonbons beim Kindergeburtstag.
Das letzte Wort hat jetzt ohnehin die Gläubigerversammlung am 28. Mai in der Messe Essen. Stimmt die nicht zu, würde der ganze, notariell abgeschlossen Deal doch noch platzen. Aber das ist nach der Erfahrung mit solche Zusammenkünften extrem unwahrscheinlich.
Kurzer Nachtrag, weil es so schön passt. Ein paar Monate wurde versucht, die Obergesellschaft von Rene Benko Signa Holding irgendwie zu retten. Doch am Donnerstag hissten die Verantwortlichen die weiße Fahne: Signa-Holding beantragte beim Wiener Handelsgericht Konkurs, das bisherige Sanierungsverfahren wird als erfolglos abgehakt, das Unternehmen liquidiert.
Daher werden die Eigentümer kein Geld sehen. Eine knappe Mehrheit an der Holding (51 Prozent) hält Firmengründer Benko, zu den Mitinvestoren zählen aber auch prominente Wirtschaftsgrößen wie aus der Schweiz der Lindt-&-Sprüngli-Präsident Ernst Tanner (drei Prozent), der Kaffeemaschinen-Unternehmer Arthur Eugster (11,5 Prozent) sowie die am Zürichsee wohnende brasilianisch-ungarische Unternehmerfamilie Arduini-Koranyi (14,5 Prozent). Größter Mitinvestor Benkos ist indes der österreichische Bauunternehmer Hans Peter Haselsteiner (15 Prozent). Aus Deutschland hatte sich der Fressnapf-Gründer Torsten Toeller engagiert (4,5 Prozent). Es trifft also keine Armen.
(Quelle: NZZ, 11.4.24, https://www.nzz.ch/wirtschaft/die-signa-holding-von-rene-benko-geht-in-konkurs-ld.1825966?ga=1&kid=nl166_2024-4-11&mktcid=nled&mktcval=166_2024-04-11 )
Themenwechsel. Corona scheint viele Zeitgenossen einfach nicht loszulassen. Immer wieder mal erreichen mich Lesermails, in denen mehr oder weniger unterschwellig auf böse Folgen der Impfungen angespielt wird. Nun habe ich wenig bis gar keine Ahnung von Medizin. Insofern kann ich Ihnen trotz fünf Impfungen mit zwei verschiedenen Wirkstoffen (Astra Zeneca und BionTech) nichts dazu sagen, außer vielleicht, dass sie mir nicht erkennbar geschadet. Aber wer weiß, möglicherweise wäre ich ohne sie sportlicher oder schöner?
Das Einzige, was ich Ihnen zum Thema anbieten kann, ist in diesem Fall mein Hobby Statistik. Und die scheint anzudeuten, dass die Spätfolgen der Seuche eigentlich nicht extrem gewesen zu sein scheinen. Während der Seuche lag die Sterblichkeit deutlich höher als zuvor. Ich nehme mal die monatliche Kennzahl „Verstorbene je 1.000 Einwohner“, um das Bevölkerungswachstum zu berücksichtigen. Und ich habe einen 12 Monate-Durchschnitt daraus gerechnet, weil die Sterblichkeit in den kühlen Monaten um die Jahreswende seit Ewigkeiten signifikant höher ist als in den warmen Sommermonaten.
(Quelle: destatis, https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2024/04/PD24_145_126.html )
Im blauen Kasten können Sie von Juli 2020 bis März 2023 einen Anstieg der Sterblichkeit erkennen. Das dürften direkte Folgen der Seuche und von mir aus auch der Impfungen gewesen sein. Aber seit April geht die Sterberate erheblich zurück, obwohl da in letzter Zeit noch andere Atemwegserkrankungen eine Rolle gespielt haben könnten.
Das Statistische Bundesamt veröffentlich monatliche Zahlen und schätzt aktuell die Werte für Dezember 2023 bis März 2024. Ich habe diese Angaben in der Grafik mit verwurstet. Und der positive Trend setzte sich auch in den Wochenwerten fort. Die Todesfälle in der 13. Kalenderwoche (25.3.-31.3.2024) waren die niedrigsten seit dem ersten Seuchenjahr 2020. Das ganze 1. Quartal 2024 lag nach vorläufigen Zahlen um 4,8 Prozent unter dem Vorjahr. Da müssten sich schwerste Impfschäden aber im Zahlensalat gut versteckt haben.