Liebe Leser
nach 131 Jahren ist am 2. April dieses Jahres eine amerikanische Industrieikone erster Güte endgültig Geschichte. 1890 gründete der Daniel Düsentrieb des Elektrozeitalters, Thomas Alva Edison (1847-1931), die Edison General Electric Company. Zwei Jahre darauf wurde sie mit dem größten US-Konkurrenten zur legendären General Electric Company (kurz: GE) fusioniert, Edison bald geschäftlich an den Rand gedrängt. GE gehörte dann 1896 bereits zu den 12 „Gründungsmitgliedern“ des „Dow Jones Industrial“ Aktienindex und blieb bis Mitte 2018 auch über ein Jahrhundert darin.
Es war eine aller Orten als Supermanager gefeierter GE-Chef, Jack Welch (1935-2020), der während seiner Amtszeit von 1981 bis 2001 die Firma in eine Richtung entwickelte, die unter seinem Nachfolger in der Finanzkrise in einer Beinahepleite endete. Offenbar hatte man auch die Bilanzen recht kreativ aufgestellt, was erst 2021 mit der Zusammenlegung von acht GE-Aktien zu einer einzigen endgültig bereinigt wurde.
Fast zu gleichen Zeit kündigte der einstige Mischkonzern mit zeitweise starker Finanzsparte Ende 2021 an, sich in drei Einheiten – Luftfahrt, Energie und Gesundheit- aufzuspalten. Der erste Schritt dazu konnte gut ein Jahr später Anfang 2023 mit der Abspaltung von „GE Healthcare“ bereits abgeschlossen werden. Nun teilt sich das Restunternehmen am oben genannten Stichtag in die GE Aerospace als Rechtsnachfolger der alten GE und GE Vernova auf.
(Quelle: Barron’s, 4.3.24, https://www.barrons.com/articles/ge-aerospace-vernova-stock-price-valuation-34a9bf6d?mod=hp_DAY_Theme_1_3 )
Der Flugzeugzulieferbereich (vor allem Triebwerke), der als Perle des verbliebenen Konzerns gilt, behält auch das berühmte Börsenkürzel „GE“. Vernova ist so etwas wie die Restrampe, vornehmlich im Energiebereich. Seit vielen Jahren bemüht sich der Konzern, diese Sparte in den Griff zu bekommen. Zuletzt verhagelte 2023 unter dem Strich wieder die Sparte Windturbinen den Versuch (Siemens Gamesa lässt grüßen).
Natürlich soll es von jetzt an nach Meinung des Managements aufwärts gehen, aber ob Wall Street die neue Aktie gut aufnimmt, steht in den Sternen. Die Aufspaltung generell sah man dort gerne, in den letzten 12 Monaten legte der GE-Kurs 90 Prozent zu. Offenbar sind die Aktionäre ganz heiß darauf, auf den Teil setzen zu können, der ihren Vorlieben entspricht.
Noch ein Themenwechsel. Es gibt eine bunte und interessante Internetseite, die heute positive Fakten in der Vordergrund stellt: „Our World in Data“ ( https://ourworldindata.org/ ). Ich habe Ihnen mal ein Beispiel herausgegriffen und die Grafik lediglich deutsch beschriftet. Es geht um die Mordrate, das sind die absichtlichen Tötungen in der Bevölkerung je 100.000 Einwohnern.
(Quelle: Homicides, Our World in Data, https://ourworldindata.org/homicides und: Istat, http://dati.statistiche-pa.it/?lang=en )
Nun glaubt man ja nach einem Tag mit Internet, Zeitungen und Fernsehen, wir würden heutzutage in einer Epoche von Mord und Totschlag leben. Aber „Our World in Data“ nutzt Studien und dann seit den 1950-er Jahren die Zahlen der Weltgesundheitsorganisation WHO, zeigt zum Beispiel für das Mafia-Land Italien ein ganz anderes Bild. Hat man dort für 1375 fast Morde auf 100.000 Italiener geschätzt, sind es heute unter einem einzigen Opfer im Jahr.
Ich kann Ihnen das für 2022 anhand von Daten der Statistikbehörde in Rom (Istat) sogar ganz genau sagen. Im gesamten Stiefelstaat kam es zu 331 Morden. Bei 59 Millionen Italienern sind das 0,6 pro 100.000 Bevölkerung. Und sogar im berüchtigten Sizilien wurden nur 40 solche Taten bekannt, das wären relativ gesehen bei rund fünf Millionen Sizilianern noch weniger.
Wie die Grafik zeigt, ist das in Europa längst kein Einzelfall. Soll alles nur ein Beispiel für meine These sein, dass wir heute in Zeiten des „Glas halb leer“ leben. Missstände werden bis zu Goliath-Größe aufgeblasen, wenn etwas besser läuft als früher, ist das dann selbstverständlich. Motto: ein Toter ist ein Toter zu viel. Wer dafür weitere Belege sucht: „Our World in Data“.