Liebe Leser,
zwei Termine werden im Kalender von Donald Trump (Jahrgang 1946) angekreuzt sein: einer Mitte dieses Monats und der andere, wichtigere am 25. März. Zunächst einmal sind dann gut 83 Millionen Dollar Schadenersatz aus seinem verlorenen Prozess gegen die Autorin E. Jean Carroll (Jahrgang 1943) fällig. Der dicke Happen aber naht erst knapp zwei Wochen später: für jahrelangen Bilanzbetrug hatte Richter Arthur Engoron (Jahrgang 1948) in Manhattan Trump und seine Söhne zu 355 Millionen Dollar, nebst Zinsen dann gut 450 Millionen Dollar, Strafe verdonnert.
Der Ex- und vielleicht sogar wieder zukünftige US-Präsident hat zwar Berufung gegen die Geldstrafe eingelegt, doch das hat keine aufschiebende Wirkung für die Zahlungsverpflichtung. Er muss Sicherheiten oder Kautionen in dieser Höhe hinterlegen, damit sichergestellt ist, dass er bei einer Niederlage in der nächsten Instanz auch wirklich zahlen kann. Nun ja, fast 540 Millionen Dollar hat auch ein Immobilientycoon nicht in der Schreibtischschublade liegen.
(Quelle: HB, 3.3.24, https://www.handelsblatt.com/politik/international/bilanzbetrug-vor-diesem-datum-zittert-ex-us-praesident-donald-trump/100020287.html und NYT, 1.3.24, https://www.nytimes.com/2024/03/01/nyregion/donald-trump-money.html?searchResultPosition=8 und: RND, 7.11.23, https://www.rnd.de/politik/arthur-engoron-trump-richter-war-frueher-taxifahrer-und-barmusiker-DQW335D4VZF2PKCBCAI2U66PVE.html
Auch nicht gerade hilfreich beim Auftreiben der Liquidität: New Yorker Banken dürfen ihm nach dem Urteil nichts leihen und zudem sollen Trump und seine Söhne das eigene Unternehmen drei, die Sprösslingen zwei Jahren, nicht leiten. Wer ihm das Geld zur Verfügung stellt, muss schon hart gesotten sein, denn er leiht es einem verurteilten Bilanzbetrüger und zudem ist er sofort bis in den hintersten Winkel der Weltpresse berühmt/berüchtigt. Das Gericht hat schon angedeutet, dass es, wenn die Zahlungen ausbleiben, auch pfänden wird. Der Trump-Tower könnte dann nach dem New Yorker Richter erstmal Engoron-Tower heißen.
Trumps Anwälte sind mittlerweile schon ziemlich kleinlaut geworden. Hatte ihr Mandant letztes Jahr noch unter Eid behauptet, er verfüge über 400 Millionen Dollar an Cash, boten sie vor ein paar Tagen nur 100 Millionen Zahlung an, weil der Immobilienkönig für die 454 Millionen-Strafe erst mal Objekte verkaufen müsse.
Skurrilität ganz am Rande: der Richter, der Trump so unangenehm im Nacken sitzt, ist mit wohl 75 Jahren auch nicht viel jünger als der Verurteilte. Der Liebhaber von Popmusik hat in seinen jüngeren Berufsjahren auch schon als Taxifahrer und Barmusiker (Schlagzeug) gearbeitet. Mit dem Expräsidenten geriet er mehrmals aneinander, zumal ihn Trump als „gestört“ und „linksradikal“ beschimpft hatte. Alles ideale Voraussetzungen für einen medienwirksamen Show-down.
Themenwechsel. In Brüssel wird – wie so oft – hart gerungen. Diesmal geht es um eine Neuauflage der Verpackungsverordnung. Angeblich hat der deutsche Finanzminister mit seinem italienischen Amtskollegen sogar einen Komplott geschmiedet, die ganze Verordnung zu Fall zu bringen. Besonders umstritten zwischen den EU-Oberen und dem EU-Parlament: Artikel 22, in dem die Kommission ein Verbot bestimmter Einwegverpackungsformate vorschlägt.
Das sind etwa Plastikverpackungen für Getränke-Sixpacks, frisches Obst und Gemüse unter einem Gewicht von 1,5 Kilogramm und Einwegbehälter in der Gastronomie für Speisen zum Mitnehmen. Die Parlamentarier sind bereit, einige der Verbote zu streichen, wollen aber andere hinzufügen: zum Beispiel bei Einweg-Schrumpfverpackungen für Koffer und unnötigen Sekundärverpackungen wie der Pappschachtel, die eine Zahnpastatube umhüllt.
Man ahnt als Laie, wie hinter den Kulissen diverse Lobbys im kleinteiligen Gerangel mitwirken. Beim Fight um Tuben und Gurkenverpackungsfolie fiel mir eine Grafik ein, die mir ein treuer Leser zugeschickt hat. Danach stammen 70 Prozent es in den Weltmeeren umhertreibenden Plastikmülls aus nur fünf asiatischen Ländern.
(Quelle: TableAgrifood, 22.12.23, https://table.media/europe/analyse/verpackungsverordnung-erster-trilog-anfang-januar-2/ und: HB, 4.3.24, https://www.handelsblatt.com/politik/international/verpackungen-naechster-german-vote-droht-industrie-kritisiert-aerger-um-plastikverpackungen/100018490.html und: BloombergOpinion, https://www.youtube.com/shorts/RQ52oyQZFzk und: Our World in Data, https://ourworldindata.org/ocean-plastics )
Alleine die Philippinen steuern mit 36,4 Prozent ein sattes Drittel bei. Und dort wiederum kann man anscheinend einen einzigen Fluss feststellen, der 6,4 Prozent des Welt-Meer-Plastikmülls einleitet: der Pasig River, der nur 25 Kilometer lang durch die Metropole Manila in die gleichnamige Manila Bay fließt. Ich bin da wirklich kein Fachmann und habe auch nicht im Ozean die Verpackungen gezählt, aber eigentlich glaube ich nicht so recht, dass ausgerechnet die peniblen Europäer ihren Müll einfach ins Meer kippen. Da wird der Kampf ums Tübchen wohl wieder mal nur bei uns perfektioniert und anderswo über den Erfolg entschieden.